Fußball · Altcast
Béla Réthy: „Tor, Klose" und die Klobürste
Manche Reporter bleiben wegen eines einzigen großen Moments in Erinnerung. Béla Réthy bleibt wegen seiner Sprüche, und einer davon entstand aus einer Panne. Bei der EM 2008 gegen Österreich sorgte eine Bildverzögerung dafür, dass er ein Tor rund sechs Sekunden zu früh ausrief: „Lahm flankt... Tor, Klose!" Das Tor kam, nur eben etwas später als sein Kommentar.
Der zweite Klassiker ist purer Réthy: „...was aussieht wie eine Klobürste, das ist Valderrama." Solche Bilder bleiben kleben, weil sie respektlos und treffend zugleich sind. Man muss sie nicht mögen, aber man vergisst sie nicht. Wer einmal die wilde Lockenpracht des Kolumbianers gesehen hat, denkt seither vermutlich genau an diesen Vergleich.
Das „Tor, Klose" zu früh ist dabei mehr als eine lustige Anekdote. Es erzählt etwas über die Technik dahinter. Réthy saß nicht zwingend im Stadion mit freiem Blick, sondern reagierte auf ein Signal, und dieses Signal lief seinem Mund manchmal hinterher. Der Mensch war schneller als die Übertragung, und genau das machte die Szene so menschlich.
Wer ist Béla Réthy?
Béla Réthy, geboren am 14. Dezember 1956 in Wien, hat ungarische Wurzeln und wuchs zum Teil in Brasilien auf. Er spricht mehrere Sprachen, was bei internationalen Turnieren oft durchschien. Von 1991 bis 2022 war er Chefkommentator Fußball beim ZDF, kam dabei auf rund 400 Live-Übertragungen und verabschiedete sich nach dem Halbfinale Frankreich gegen Marokko 2022. 2006 erhielt er den Herbert-Award.
Réthy polarisierte. Die einen liebten seine lockere, manchmal spöttische Art, die anderen störten sich genau daran. Beides ist eigentlich ein Kompliment: An ihm hat sich gerieben, wer überhaupt eine Meinung zum Kommentar hatte. Gleichgültig ließ er kaum jemanden, und über Jahrzehnte am ZDF zu bleiben, schafft man nicht durch Beliebigkeit. Dass am Ende seiner Laufbahn fast jedes seiner Bonmots gesammelt und herumgereicht wurde, sagt eigentlich alles über die Spuren, die er hinterlassen hat.
Der Schwenk zum Altcast
Réthys „Tor, Klose" zu früh zeigt nebenbei etwas Schönes. Kommentar ist menschlich. Jemand sieht ein Bild, reagiert, und manchmal liegt die Stimme der Realität voraus. Diese Unperfektheit ist kein Bug, sie ist der Charme der Sache.
Altcast, also alternativer oder Fan-Kommentar, setzt genau dort an. Der eine Sender, eine Meinung, ein Stil, das war jahrzehntelang die Regel. Wer Réthys Ton mochte, hatte Glück. Wer ihn nicht mochte, musste trotzdem mit ihm leben. Eine Alternative gab es schlicht nicht.
Auf WeSpeakSports muss niemand mehr mit einer Stimme leben, die nicht passt. Jeder Fan kann ein Spiel live kommentieren, mit eigenen Sprüchen, eigenem Humor, eigener Sicht, während andere zuhören. Vielleicht erfindest du das nächste Bild, das hängen bleibt, deine eigene Klobürste sozusagen. Niemand verlangt dafür eine Ausbildung, eine Akkreditierung oder einen Vertrag, es genügt, dass du etwas zu sagen hast. Und wenn du mal ein Tor zu früh feierst, dann bist du in bester Gesellschaft.
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