Fußball · Altcast
Edi Finger und „I wer narrisch" von Córdoba 1978
21. Juni 1978, Córdoba. Österreich liegt gegen den amtierenden Weltmeister Deutschland vorn, dann trifft Hans Krankl zum 3:2. Im österreichischen Radio bleibt von Distanz nichts mehr übrig: „Tooor! ... I wer narrisch! Krankl schießt ein, 3:2 für Österreich!" Wer kein Österreichisch spricht: „narrisch" heißt so viel wie verrückt.
Diese Sekunden sind in Österreich Teil des kollektiven Gedächtnisses. Nicht wegen einer cleveren Formulierung, sondern weil ein Reporter in dem Moment komplett ehrlich war. Er hat nicht so getan, als sei er neutral. Er war einfach ein Fan mit einem Mikrofon, und das hat man gehört. Genau diese Ehrlichkeit ist es, die den Ausruf so haltbar gemacht hat.
Man muss den sportlichen Rahmen kennen, um die Begeisterung zu verstehen. Deutschland war Weltmeister, Österreich der kleinere Nachbar, und ein Sieg gegen den großen Bruder bedeutete weit mehr als drei Punkte. Als der Treffer fiel, war das für ein ganzes Land ein Befreiungsschlag, und Finger sprach diesen Moment nicht herunter, er hob ihn auf.
Wer war Edi Finger?
Edi Finger senior, geboren am 29. Januar 1924, gestorben am 12. April 1989, war einer von Österreichs führenden Fußballreportern beim ORF. Ab 1967 leitete er die Radiosportredaktion des Senders. Über seine Reportagen gibt es eine schöne Anekdote: Viele Zuschauer drehten am Fernseher den Ton ab, um stattdessen seine Radioübertragung zu hören.
Das ist eigentlich ein erstaunlicher Satz, wenn man kurz darüber nachdenkt. Die Leute hatten das Bild vor sich und entschieden sich trotzdem bewusst für eine andere Stimme dazu, weil ihnen diese Stimme näher war. Sie nahmen sogar die kleine Unschärfe in Kauf, dass Radio und Fernsehen nicht ganz synchron liefen.
Das zeigt etwas Grundsätzliches über Kommentar. Es geht nicht nur um Information, sondern um Verbindung. Ein Bild kann jeder selbst deuten. Eine Stimme, die genauso fühlt wie man selbst, ist seltener und deshalb wertvoller. Finger war für seine Hörer nicht der Mann, der das Spiel erklärte, sondern der, der mit ihnen zitterte und am Ende mit ihnen jubelte.
Genau das ist die Idee von Altcast
Den Fernsehton abdrehen und eine andere Tonspur dazulegen, das war 1978 ein kleiner Trick der Fans. Heute ist es ein Format. Altcast, also alternativer oder Fan-Kommentar, macht aus dieser Notlösung etwas Selbstverständliches.
Auf WeSpeakSports kann jeder das tun, was die Hörer damals so gern hatten: das Spiel mit der Stimme begleiten, die wirklich mitgeht. Du musst kein ausgebildeter Reporter sein. Du kommentierst dein Team, in deinem Dialekt, mit deiner Begeisterung, und andere hören zu, während sie dasselbe Spiel sehen. Kein Sender entscheidet, ob deine Sicht gesendet wird.
Finger zeigte, dass Parteilichkeit kein Makel sein muss, sondern für viele genau der Grund ist, einzuschalten. Niemand erwartet beim Fan-Kommentar Objektivität. Man will den „I wer narrisch"-Moment, den eigenen. Und den darf man sich nicht länger borgen, man kann ihn selbst sprechen, für die eigene Mannschaft, im eigenen Tonfall.
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Jeder Fan kann seinen eigenen Live-Audiokommentar zu einem Spiel führen, in seiner Sprache und seinem Stil, während andere zuhören. Kein Studio, keine Akkreditierung.
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