Fußball · Altcast
Reif und Jauch: der Torfall von Madrid 1998
1. April 1998, Champions-League-Halbfinale im Bernabéu, Real Madrid gegen Borussia Dortmund. Vor dem Anpfiff stürzt durch den Andrang von Fans ein Tor um. Es ist also kein Flutlichtausfall, sondern ein umgestürztes Tor, das ersetzt werden muss. Der Anstoß verzögert sich um rund 76 Minuten, und im deutschen Fernsehen müssen zwei Männer diese Leere füllen.
Marcel Reif und Günther Jauch reden, warten, reden weiter. Mehr als eine Stunde Live-Fernsehen ohne Spiel. Daraus werden Sätze, die hängen bleiben, etwa „Wir brauchen ein schnelles Tor, ein neues Tor!" und das trockene „Sie sind ja immer noch nicht da.". Die Improvisation wurde später ausgezeichnet, und das zu Recht, denn so etwas lässt sich nicht proben.
Die Lage war für die beiden alles andere als bequem. Ein leeres Stadion, ein verschobener Anpfiff, ein Publikum zu Hause, das eigentlich Fußball sehen wollte. Statt in Routine zu verfallen, machten sie aus dem Warten selbst die Sendung. Sie nahmen die Zuschauer mit in die Absurdität des Abends, und genau das hielt die Leute am Gerät.
Wer sind Reif und Jauch?
Marcel Reif, geboren am 27. November 1949 im polnischen Wałbrzych und seit 2013 Schweizer Bürger, war erst bei RTL, später bei Sky und gilt seit 1985 als eine der prägenden Figuren des deutschen Sportjournalismus.
Günther Jauch, geboren am 13. Juli 1956 in Münster, moderierte von 1988 bis 1997 das ZDF-Sportstudio und wurde danach vor allem als langjähriger RTL-Moderator bekannt, unter anderem bei „Wer wird Millionär?". Er ist eher Moderator als klassischer Live-Kommentator, was die Madrider Nacht umso interessanter macht. Gerade weil er das freie Reden gewohnt war, ergänzten sich die beiden so gut.
Warum das fast schon Altcast ist
Was die beiden in Madrid taten, war im Kern reines Reden über Fußball, ohne dass Fußball lief. Kein Drehbuch, kein Spielgeschehen als Stütze, nur zwei Stimmen und ein Publikum, das trotzdem dranblieb. Genau dieser Reiz, jemandem beim freien Erzählen zuzuhören, steckt auch im Altcast.
Altcast bedeutet alternativen oder Fan-Kommentar, und der lebt nicht nur von Toren. Er lebt von der Person am Mikrofon, von der Stimmung, vom Drumherum. Eine Verzögerung, eine kuriose Szene, die Atmosphäre auf der Tribüne, all das wird zum Stoff, wenn man Lust hat zu reden. Oft sind es genau diese Momente abseits der Tore, an die man sich später am liebsten erinnert.
Auf WeSpeakSports kann das jeder ausprobieren. Du kommentierst ein Spiel live, und wenn mal nichts passiert, redest du eben darüber, was nicht passiert. Reif und Jauch hatten 1998 die Sendetechnik eines großen Senders. Heute reicht dafür dein Anschluss und etwas Mut, einfach loszureden. Den Rest, also den Charme, bringst du selbst mit. Und wer einmal eine Verlängerung, eine Pause oder eine kuriose Unterbrechung mit Freunden überbrückt hat, der weiß ohnehin schon, wie sich das anfühlt.
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Jeder Fan kann seinen eigenen Live-Audiokommentar zu einem Spiel führen, in seiner Sprache und seinem Stil, während andere zuhören. Kein Studio, keine Akkreditierung.
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